Dienstag, 28. März 2006
2026 - alles wie gehabt?
2026 wird sich auf den ersten Blick von 2006 weniger unterscheiden als 2006 von 1986. Die wesentlcihen äußerlichen Veränderungen sind bereits in den letzten 10 Jahren geschehen. URLs auf Plakaten; Handys an jedem Ohr; fast jeder trägt ein Rechenzentrum unter dem Arm mit sich rum, dessen Leistungsfähigkeit meine höchsten Erwartungen in den 80ern weit übertrifft. Satelliten sagen Dir auf den Meter genau wo du bist. Ja, besser noch, Dein Auto unterhält sich mit den Satelliten und eine synthetische Frauenstimme (die viel natürlicher klingt, als man früher dachte) sagt dir, wo's lang geht. Es gibt viel mehr Einkaufscenter und "Factory-Outlets" als man erwartet und es gibt viel, viel mehr Verkehr und Straßen. Letzterer könnte vielleicht bis 2026 wieder abnehmen, sollten in Deutschland dann wirklich weniger Menschen leben. In diesem Zusammenhang könnten in der Oberpfalz, Mecklenburg-Vorpommern und anderen strukturschwachen Regionen neue Naturparks entstehen, in denen sich auch wieder Wolf, Bär, Wisent etc. ansiedeln könnten.

Das öffentliche Leben in den Städten dürfte aber kaum anders aussehen. Die IT-Technologien werden einerseits extrem dominant sein, andererseits aber kaum sichtbar sein. Als Interface werden PDA-Handys und aktive RFID-Implantate dienen. Die allgemeine Überwachung wird aus unserer heutigen Sicht ein dramatisches Ausmaß annehmen. 2026 wird sich aber keiner daran stören - weil's bequem ist, weil's der eigenen Sicherheit dient und weil die Nichtnutzung indirekt sanktioniert ist (kein automatischer Rabatt von 10% auf alles im Supermarkt; zusätzliche Bearbeitungspauschalen auf Ämtern, eingeschränkter Zutritt in sicherheitsrelevanten Bereichen (ÖPNV, Flughäfen etc.). Man wird sich daran gewöhnen, wie man sich an seinen Personalausweis gewöhnt hat.

Die Spaltung der Gesellschaft wird sich entlang verschiedener Bruchkanten verstärken. Ein Job wird sehr stark von der sozialen Herkunft abhängen. Stärker noch als heute. Es könnte sogar so weit kommen, dass Arbeit und Arbeitslosigkeit quasi vererbt werden. Kinder von Langzeitarbeitslosen wachsen in einem Umfeld auf, dass ihnen keinerlei Impulse vermittelt. Sie werden mit RTLSAT1PRO7 ruhiggestellt und erhalten jeden Monat ihren Sozialhilfesatz. Anden gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen nehmen sie nicht mehr teil - weil sie die Materie nicht mehr verstehen, weil sie mit den "arroganten Besserverdienenden" nichts mehr zu tun haben wollen und auch weil man sie bewusst/unbewusst ins Aus drängt. Man wird sie durchfüttern, wirklich um sie kümmern wird man sich nicht (bzw. erst, wenn's später mal kracht).
Daneben ist aber noch eine dritte Gruppe denkbar: Gut Ausgebildete ohne Job. Während internationale Konzerne ihre Finanzmittel zwischen sich selbst hin und herschieben, Stellen streichen, um noch liquider zu werden, trocknet der Consumerbereich zunehmend aus. Hier besteht die Möglichelkeit, dass lokal neue Wirtschaftkreisläufe - evtl. sogar mit eigenen Währungssystemen (Freigeld?!) - entstehen. Wenn die Grundversorgung mit Nahrung durch staatliche Stellen gesichert ist, lässt sich durchaus ein nachbarschaftliches Währungssystem auf Stadtquartierebene oder darüber hinaus vorstellen.

Soweit mal für heute.

... comment

 
Ich meine nicht, daß sich 2026 von 2006 weniger unterscheiden wird als 2006 von 1986. Dieser Eindruck entsteht vielleicht, wenn man nur die vorhandene Technologie fortschreibt. 1986 waren die Funktelefone noch in Autos eingebaut, und keiner glaubte, sie einmal so klein zu kriegen. 1986 mußte noch richtiges Geld für Datex-P hingelegt werden, und keiner glaubte an eine billige Flatrate mit mehreren Megabaud. Was 2026 so ganz anders sein wird als heute, kann ich natürlich nicht sagen. Möglicherweise die Gentechnik, vielleicht nach langen Jahren des Wartens auch die künstliche Intelligenz. Auf jeden Fall wird der Fortschritt sich beschleunigen. Das liegt einfach an der Zahl der Menschen, die sich damit beschäftigen.

... link  

 
Vielleicht habe mich ein wenig unklar ausgedrückt. Ich meine nicht, dass sich die Welt in den nächsten 20 Jahren in einem geringeren Ausmaß verändern wird als in den vergangenen. Im Gegenteil: Der Fortschritt und damit die Veränderung wird sich beschleunigen. Da geb ich Dir absolut recht.

Nur: Der Fortschritt wird nicht mehr so augenfällig sein. Er wird sich aufgrund weiterer Miniaturisierung (Nanotechnologie, Biotechnologie) und einer weiter stark steigenden Vernetzung nicht mehr an Äußerlichkeiten festmachen lassen. Einem Beobachter von 1900 dürften die Unterschiede kaum auffallen: Oder wenn, dann würde er unsere Welt als immer magischer erleben.

... link  

 
Soeben habe ich Quarks und Co. zu diesem Thema gesehen. Natürlich blieben die vielen Fehlprognosen nicht unerwähnt. Doch ein deutsch sprechender Nasa-Mensch redete wieder etwas über die Mars-Besiedelung in hundert Jahren. Die wird meines Erachtens nur in geringem Umfange stattfinden, denn der Meeresboden, die Sahara und die Antarktis sind billiger. Der Mensch wird allenfalls im Reisegepäck intelligenter Maschinen unser Sonnensystem verlassen. In den nächsten 20 Jahren jedoch nicht.

Ich gehe auch davon aus, daß in den nächsten Jahren alles noch kleiner wird und die Technologie sich versteckt. Sie wird leistungsfähig, aber dumm sein. Die Masse der Menschen wird sie nutzen und trotzdem arm bleiben. Wer Geld hat, erkauft sich ein langes Leben in geschützten Bereichen.

... link  


... comment
 
Die Alternative?
Abgesehen von eingigen Kleinigkeiten gebe ich Dir in allen Punkten recht. Die Bruchkanten werden sichhverstärken. Meine Fragen zu diesem Thema:

1. Was kann man gegen diese Entwicklung unternehmen und im Sinne einer sozialen, ausgleichenden und gerechten Marktwirtschaft unternehmen?

2. Oder ist es legitim und sinnvoller, diese Brüche als logische Konsequenz zu sehen und entsprechend einer merkantilen Selektion diese Entwicklung auszunutzen, um etwas Neues zu kreieren. Was imho natürlich unserem Staats- und Gemeinschaftgedanken erst mal widersprechen würde? Aber wie sähe so eine Gesellschaft aus?

Sicherlich wird die Nachfrage an Luxusgütern und selbst nach Mitteln der Grundbedürfnisse weiter sinken. Die Geiz ist Geil Mentalität wird sich in eine Geiz ohne Alternative Mentalität wandeln. Dementsprechend werden die Gewinne der Unternehmen weiter sinken, da die momentan gestiegenen Umsatzgewinn in der Regel durch Abbbau von Arbeitsplätzen generiet wurden. Das wird zur Folge haben, dass selbst die gut gebildeten mit entsprechenden Arbeitsplätzen weniger verdienen werden, die wenigen Superreichen sollen von dieser allgemeinen BEtrachtung der Lage ausgenommen bleiben ... to be continued ...

... link  


... comment